Leonhardi-Ritt in Bad Tölz

Post vom Bayernmädl

An manchen Tagen steht die oberbayerische Kurstadt Bad Tölz ganz im Zeichen von Tradition und Brauchtum. Dann verwandelt sie sich in ein Meer aus Trachten mit gerafften Miedern, wogenden Seidenstoffen, Fuchspelz und Schnurhüten, umhüllt vom Läuten der zahlreichen Kirchen.

Einer dieser Tage ist der Leonhardi-Tag im November. Alljährlich ziehen bis zu 85 mit Moos, Buchs- und Stechpalmen geschmückte Wagen mit prächtigen Rössern durch den historischen Tölzer Marktplatz den Kalvarienberg hinauf, um den Festakt dort oben an der Leonhardi-Kapelle mit einem feierlichen Gottesdienst zu begehen. An klaren Tagen bietet sich von hier außerdem ein wundervoller Panoramablick über den Isarwinkel bis in das Karwendelgebirge.

Die ältesten, meist aufwendig bemalten Truhenwagen, in dem bis zu 15 Personen Platz haben, stammen noch aus dem 18. Jahrhundert. Mehr Platz bieten die wuchtigen Tafelwagen mit Sitzmöglichkeiten für bis zu 24 Personen. Das besondere an den Tölzer Wagen ist die Tatsache, dass keine Gummi-Reifen, sondern nur mit Eisen beschlagene Räder verwendet werden dürfen.

Der Leonhardi-Tag ist so etwas wie ein Nationalfeiertag der Tölzer; begangen wird die Wallfahrt zu Ehren des heiligen Ross- und Viehpatrons St. Leonhard. Angeführt wird der Zug von drei Standartenträgern, gefolgt vom Wagen der Geistlichkeit sowie des Stadtrats. Nach dem Gottesdienst und der zweimaligen Umrundung der Leonhardi-Kapelle am Kalvarienberg macht sich der Zug die steile, gewundene Straße hinunter wieder zurück zum Marktplatz, wo er von mehreren tausend Besuchern aus nah und fern erwartet wird. Am Ende der Prozession findet eine festliche Pferdesegnung statt.

Ein weiterer Höhepunkt des Tages ist der Auftritt der so genannten „Goaßlschnalzer“ nachmittags am Tölzer Marktplatz. Die Gruppe aus peitschenschwingenden Burschen lässt es auf dem Marktplatz noch einmal richtig krachen. Der Name erklärt sich aus dem bayerischen Namen „Goaßl“ für eine Peitsche und dem Krach, den die Peitsche beim Auftreffen auf den Boden von sich gibt. Als Schnalzen bezeichnet man in Bayern ein lautes Knallen. Seinen Ursprung  hat der Brauch von den Fuhrleuten, welche beim Eintreffen in eine Ortschaft laut mit der Goaßl geschnalzt haben. Im Laufe der Zeit entstanden regelrechte Melodien, welche heute noch bei den Vorführungen der Goaßlschnalzer zu hören sind. Ein wahrlich amüsantes Spektakel, bei dem man allerdings gebührenden Abstand zu den schwingenden Peitschen halten sollte.

In zahlreichen bayerischen Gemeinden finden um diese Zeit die Leonhardi-Prozessionen statt, die in Bad Tölz mit den traditionellen „Goaßlschnalzern“ gilt allerdings mittlerweile als einer der größten und schönsten in ganz Deutschland. Bad Tölz liegt etwa 50 Kilometer von München entfernt und ist nicht nur wegen seiner historischen Marktstraße und der Nähe zu den Bergen ein beliebter Reiseort- und Kurort.

Weltweit berühmt wurde der Ort auch durch den Tölzer Schützenmarsch. Das von Anton Krettner aus Bad Tölz komponierte Werk hat dieses Jahr sein 125-jähriges Jubiläum. Besonders beliebt ist der Marsch insbesondere aufgrund seiner Vielfältigkeit. Heute ist der Ort Schauplatz der illustren Krimiserie „Der Bulle von Tölz“ mit dem bayerischen Kabarettisten Ottfried Fischer. 

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