„Rom des Nordens“

Salzburgs einstige Stellung als Kirchenstadt ist nicht zu übersehen und zeigt sich noch heute an einer Fülle von Kirchen und in vielen barocken Plätzen. Salzburg war mehr als 1000 Jahre ein Kirchenstaat, in der weltliche und kirchliche Macht in der Person des Erzbischofs vereint war.
Bischof Rupert, der Landespatron von Salzburg, legte mit dem Kloster von St. Peter den Grundstein der Stadt und der Baustil von Kirchen, Klöstern und des Doms ist italienisch geprägt. Das geht auf Fürsterzbischof Wolf Dietrich zurück, der als Liebhaber der italienischen Lebensart der seinen Stempgel aufdrückte. Salzburgs Kirchenstadt entstand über mehrere Epochen, aber prägend war eben seine Epoche, denn der Fürsterzbischof kam in eine mittelalterliche Stadt, die er in kurzer Zeit in ein barockes Juwel verwandelte. Viele Jahrhunderte später, nämlich 1997, sollte unter anderem auch sein Engagement dazu führen, dass Salzburg zur UNESCO-Weltkulturerbestadt erhoben wurde.

Der Dom zu Salzburg
Der Dom mit dem Domquartier ist wohl die erste Anlaufstelle eines Stadtrundganges, und zwar nicht nur unter kirchlichen Gesichtspunkten. Denn wer sich hier mit der Entstehung und der Geschichte beschäftigt, versteht viel von der Entwicklung der Stadt.
Seine Größe ist vergleichbar mit den deutschen Domen, eingeweiht wurde er 1628, nach 14jähriger Bauzeit, mitten während des 30jährigen Krieges. Insgesamt sieben Orgeln sind die Basis für die berühmte Orgelmusik im Dom, die Balkone im Inneren waren in früheren Zeiten den Sängern vorbehalten, heute werden diese nicht mehr verwendet. Der erste frühbarocke Bau beherbergt nur Wandbilder und keine Fresken und der Dom hat das größte zusammenhänge Glockengeläut im deutschsprachigen Raum, der Eintritt ist – noch – frei. Der Dom zu Salzburg ist eine wahre Schatzkammer für Entdeckungen: Im Taufbecken wurden unter anderem auch W. A. Mozart und Joseph Mohr, der Texter von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“, getauft. Mehrere Museen bilden das Domquartier, das unter anderen auch die Prätiosenmonstranz beherbergt, in der 1000 Diamanten verarbeitet sind. Geführte Rundgänge durch den Dom, das Archiv der Erzdiözese oder Spezialangebote im DomQuartier Salzburg zeigen die Bedeutung der Kirche für Salzburg damals wie heute.

Unterwegs mit den Profis
Speziell ausgebildete Stadtführer führen Interessierte hinter die Kulissen des kirchlichen Salzburgs und da ist dann gleich die Erzabtei St. Peter zu nennen. In dem ältesten Kloster im deutschsprachigen Raum leben die Mönche seit 696. Der Blick in das Innere lässt nicht nur ein klein wenig vom Leben der Mönche erahnen, sondern gibt vor allem den Blick frei auf eine herausragende Bibliothek. Das Kloster beherbergt nämlich die älteste Bibliothek Österreichs und die Handschriften sind ein Zeugnis des religiösen und kulturellen Wirkens der Mönche.
Ähnliches, nur auf andere Weise, gilt für die außergewöhnliche Mineraliensammlung im Stift.
In der Erzabtei leben heute 22 Mönche, die unter anderem auch den wunderbaren Klostergarten zur Erholung nützen. Den Mittelpunkt des Klosters bildet die Stiftskirche St. Peter, der Friedhof von St. Peter gehört zu den ältesten Begräbnisstätten Europas. Keinesfalls vorbeigehen sollte man an der Stiftsbäckerei der Erzabtei St. Peter. Was aber fast nicht möglich ist, denn aus den alten Gewölben dringt ein derart intensiver Duft von frischem Schwarzbrot ins Freie, dass man gar nicht anders kann, als unbedingt hineinzugehen – und natürlich ein Brot zu kaufen, das direkt in der Backstube verkauft wird. Den St. Peter -Tag stilgerecht zu beenden empfiehlt sich im Stiftskeller von St. Peter. Das Restaurant ist ein Mix aus höchster Kulinarik, Tradition und Geschichte und einem Zeitgeist, der das alles miteinander gut verbindet. Ein Abendessen in diesen Räumlichkeiten ist ein Erlebnis und zwar in jeder Hinsicht.
Eine Bibliothek mit einer beeindruckenden Buchsammlung, Führungen zu den unterschiedlichsten Themen, eine beeindruckende Mineraliensammlung und ein kulinarisches Highlight im Stiftskeller - das Stift St. Peter in Salzburg lädt ein. Es lädt ein, hinter die Kulissen und in die Tiefen des Christentums zu blicken, es lädt ein, die Welt mit den Augen der Mönche zu sehen und es lädt ein, inne zu halten, die Hektik draußen zu lassen und in die Stille des Stiftes einzutauchen.

Ein Zimmer zur Besinnung
Das ist im Stift St. Peter zwar nicht vorgesehen, sehr wohl aber im Kapuzinerkloster auf dem gleichnamigen Berg. Die dortigen Mönche bieten in ihrem Kloster Auszeiten an, die sich am „Vater unser“ anlehnen. Wer denkt, dass hier nur Männer zugelassen wären, der irrt – auch weibliche Gäste auf der Suche nach Besinnung und Ruhe sind hier willkommen.
Aber nicht nur Gäste auf Zeit können hier zur Ruhe kommen und ein wenig in das klerikale Leben eintauchen. Für die Novizen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Kapuzinerkloster Ausbildungsstätte für die jungen Franziskaner.
Schon immer lag der Focus auf der Ausbildung, die Gemeindemission ist eine zentrale Aufgabe, denn ihre Idee war es immer, hinauszugehen. Früher gingen die Kapuziner auf Markplätze, heute sind sie auf Facebook vertreten. Auch die Musik wird gepflegt und dass auch der Humor nicht zu kurz kommt, zeigt sich in einer recht launigen Aussage von Bruder Karl, dem „Chef“ des Klosters, der dazu meinte: „die Benediktiner singen wie die Nachtigallen Gottes, die Benediktiner wie die Spatzen".
Die „Brüder“, wie sie genannt werden, pflegen eine einfache Lebensweise, wie es ihrem Gründungsgedanken entspricht. Unter der Woche werden die Kapuziner von einer Köchin verwöhnt, am Wochenende müssen die Brüder selbst ran an den Herd – und zwar abwechselnd. Und als Besucherin, der ein Blick in die Küche gestattet war, muss man neidlos anerkennen: der Nudelauflauf duftete verführerisch!

Ein Ort der Wissensvermittlung
Es wäre unmöglich, alle Kirchen und Kapellen in und rund um Salzburg zu beschreiben, zu viele sind es. Aber einige müssen wir noch herausnehmen und dazu zählt die barocke Kollegienkirche. Schon immer ein Ort der Wissensvermittlung, war sie nie als klassisches Gotteshaus gedacht und heute ist die ganz in Weiß gehaltene Kirche ein Ort des Austausches zwischen Künstlern. Ins Auge stechend ist das große Fenster über dem Altar, Symbol dafür, dass die Weisheit Gottes auch über die schönsten Kirchen hinausgeht. 600 m2 Fenster sorgen in der „weißen“ Kirche für fast irritierend viel Licht, das aber ganz bewusst so gewählt wurde. „Licht soll uns berühren“ ist nämlich das Credo dieser Kirche und ihre Schlichtheit ist perfekt für die Wirkung der künstlerischen Ausstellungen.  

Auch heute gibt es noch Wunder
Die Loretokirche wird gerne aufgesucht, wenn Wunder vonnöten sind, denn dem Loretokindl, einer kleinen Jesufigur aus Elfenbein, werden Wunder nachgesagt.
In der Dreifaltigkeitskirche kann man im „Anliegenbuch“ Zettel mit seinen Wünschen abgeben, diese werden dann einmal pro Woche in den Fürbitten wiedergegeben. Die Dreifaltigkeitskirche sollte man auf jeden Fall besuchen, denn sie ist das bedeutendste sakrale Bauwerk der rechten Altstadt und zugleich die erste architektonische Schöpfung des großen Barockbaumeisters Fischer von Erlach. Die beherrschende Kuppel und die doppelten Türme mit den palastartigen Seitenflügeln sind der absolute Blickfang des Makartplatzes.
Auch etwas außerhalb von Salzburg, in der üppigen Barockkirche der Basilika von Maria Plain, ist das kirchliche Erbe allgegenwärtig. Schon beim Betreten ist man gefangen von der Pracht und dem Prunkt, der diese Kirche prägt.

Das musikalische Erbe
Als Festspielstadt und Geburtsort Mozarts ist Salzburg eine weltweit anerkannte Musikhauptstadt. Auch der Dom mit seiner imposanten Hauptorgel und den weiteren Orgeln, ist regelmäßig Aufführungsstätte für musikalische Höhepunkte, insbesondere der Orgelmusik. Auch W. A. Mozart spielte häufig hier. Nicht weit von Mozarts Wohnhaus am Makartplat, steht die von Fischer von Erlach erbaute Dreifaltigkeitskirche. Mozart soll hier oft gespielt haben; heute ist die Kirche der ideale Raum für die wöchentlich stattfindende Konzertreihe „Musica Sacra Trinitatis Salisburgensis“. Jeden Samstag werden hier ab 18:30 Uhr für jeweils eine Stunde die Werke bedeutender Komponisten zur Aufführung gebracht. www.salzburgticket.com.
Die Fürsterzbischöfe Salzburgs sorgten schon früh dafür, dass die Musik einen hohen Stellenwert in Salzburg hat. Aus ganz Europa holten sie Komponisten und Musiker, die Werke für kirchliche Messfeiern und die Hofmusikkapelle erschufen. Die Rahmenbedingungen waren sehr gut und viele Bischöfe ließen den Künstlern große kreative Freiräume. So förderte zum Beispiel Erzbischof Sigismund Graf von Schrattenbach Vater Leopold und Sohn Wolfgang Amadeus Mozart. Ein Großteil von Mozarts Messen stammt aus seiner Salzburger Zeit, zu den bekanntesten geistlichen Werken zählen die Krönungsmesse und das Requiem.

Auf sakralen Spuren
Die Welt hinter Salzburgs Kirchentoren lässt sich gut auf einem Spaziergang erkunden. Hinter die Fassaden der Gotteshäuser zu blicken, verborgene Sehenswürdigkeiten zu entdecken und kurz inne zu halten. All das können Besucher beim Rundgang „Hinter den Kirchentoren“ erleben. Unter anderem führt dieser in die Stiftskirche Nonnberg, wo die Benediktinernonnen täglich am frühen Morgen Gregorianische Choräle singen.
Nicht, dass Salzburg arm wäre an passenden Unterkünften und Hotels, aber ein Wochenende mit dem Thema „Kirchstadt“ dann auch in einer passenden Unterkunft zu verbringen, hat schon seinen besondere Reiz. Sechs religiöse Unterkünfte stehen dafür zur Auswahl, diese liegen großteils im Zentrum und bieten neben grundlegendem Komfort vor allem Ruhe.

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