8. – 11. Mai 2025: Daniel Glattauer eröffnet das Festival und...
Am 20. Jänner 2024 wird die Kulturhauptstadt Bad Ischl eröffnet. Erstmals ist der Titel einer Kulturhauptstadt Europas keiner Stadt, sondern einer ganzen ländlichen Region zuerkannt worden. 23 Gemeinden verteilt auf 2 Bundesländer – Oberösterreich und Steiermark – mit ca. 110.000 Einwohnrtn, haben sich gemeinsam darum beworben.
Das Salzkammergut ist eine sehr besondere Region, die schon vor 7.000 Jahren durch die Kraft des Geistes Ungewöhnliches hervorgebracht und durch den weltweit ältesten Salzabbau Menschen aus allen Teilen Europas angezogen hat. Hier lebten und wirkten Künstler*innen wie Gustav Mahler, Arnold Schönberg, Jakob Wassermann, Gustav Klimt, die Familie Wittgenstein, Oscar Straus, Hugo von Hofmannsthal, Stefan Zweig, Sigmund Freud oder Anton Bruckner, um nur einige zu nennen, die Europa geprägt haben. Und seit jeher haben ihre Bewohner*innen die mannigfaltigen Einflüsse von außen genutzt, um die eigenen Stärken und Schwächen zu erkennen und damit Tradition und Moderne in einem stetig weiterwachsenden Selbstverständnis zu vereinen.
Mit rund 300 Projekten wurde für und gemeinsam mit den Bewohner und mit regionalen, nationalen und internationalen Kreativen und Künstler* innen aus den Bereichen Musik, darstellende Kunst, Baukultur, Handwerk, Ökologie, Literatur und Wissenschaft ein beachtliches Programm entwickelt. 85 Prozent der Veranstaltungen arbeiten mit dem kreativen Potential der 23 Gemeinden.
Diesen heimischen Ressourcen wurden fremde Sicht- und Denkweisen gegenübergestellt. Das entspricht nicht nur der Tradition dieser Kulturlandschaft – es entspricht auch dem zentralen Anliegen der Kunst. Sie entwickelt sich nicht im Elfenbeinturm und dient nicht allein der Selbstdarstellung. Kunst will die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit beschreiben, Gemeinsamkeiten wie Unterschiede aufzeigen, Beziehungen herstellen und Dialogräume schaffen, auch ganz im Sinne der ehemaligen griechischen Kulturministerin Melina Mercouri (1920 – 1994) und ihrem französischen Amtskollegen Jack Lang, wie sie es bei der Gründung dieser europäischen Initiative formuliert haben.
Diese Kulturhauptstadt Europas ist der Auftakt zu einem Prozess, an dessen Anfang eine Selbstfindung steht – und der in eine selbstbestimmte Zukunft führen soll. Kunst und Kultur sind das wirkungsmächtigste Instrument von Gesellschaftsbildung. Kunst schärft den Blick, ermöglicht differenzierte Wahrnehmung. Kunst erbaut und erfreut uns, aber sie hält uns auch den Spiegel vor, übt Kritik und lässt uns hinterfragen, wie die Zukunft aussehen kann und welche Rolle wir darin spielen wollen.
Diese Kulturhauptstadt Europas wird keine monumentalen Bauwerke hinterlassen, aber sie wird Brücken in eine Zukunft bauen. Eine Zukunft, in der
+ die Vergangenheit nicht mehr als Last, die man am besten verdrängt, gesehen wird, sondern als Grundstein für einen sorgsamen und vorausschauenden Umgang mit Gegenwart und Zukunft.
+ Tourismus keine erdrückende Einbahnstraße mit saisonal bedingten Stoßzeiten mehr ist, sondern eine wechselseitige Bereicherung und Gelegenheit voneinander zu lernen.
+ alle Menschen, die hier sein möchten, nicht fortziehen müssen, sondern hier leben und dennoch an der Aus- und Umgestaltung einer global vernetzten Welt teilhaben können.
+ die Kultur Bräuche und Traditionen weiter pflegt und gleichzeitig Kraft und Inspiration aus neuen Einflüssen schöpft, um für die Herausforderungen gewappnet zu sein und die Zukunft gemeinsam zu gestalten.
„Was ich mir persönlich am meisten wünsche: Dass dieses Kulturhauptstadt-Jahr als gelebter Weckruf verstanden wird. Als Appell an die politischen Verantwortlichen in diesem Land, in Europa – und letztlich der ganzen Welt –, die Kraft der Kultur in noch viel größerem Umfang als bisher zu fördern, wissend um ihren gesellschaftsbildenden Faktor. Das ist unsere beste und die vielleicht letzte Chance, den gerade erlebbaren Verlust an zivilisatorischen, demokratischen und emanzipatorischen Werten wieder auszugleichen und aus dieser Welt einen lebenswerten Ort für alle zu machen. Wir haben nur diese eine Welt!“. Elisabeth Schweeger, Künstlerische Leiterin.
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