Lignano – wie immer?!

  • Jede Menge Sportangebote am Strand

  • Der neue Radelboom hat alle erfasst

  • Stimmungsvolle Landschaften in der Lagune

  • Kirche San Zaccaria

  • Die Terrazza Mare in Sabbiadoro

Ja und nein! Der endlose Strand und das Dolce Vita Feeling ist wie immer. Was sich verändert hat, das sind die zahlreichen Zusatzangebote an Sportarten rund um den Strand. Aber auch das Hinterland dringt langsam ins Bewusstsein der klassischen Badeurlauber.
Die obere Adria, und hier vor allem der Badeort Lignano, ist für viele Österreicher die zweite Heimat in den Sommerferien. Zuerst verbringt man den Urlaub hier mit den eigenen Eltern und fiebert schon bei der Anreise spätestens in Kärnten der ersten Kugel Gelati entgegen.
Dann kommt man mit den eigenen Kindern wieder und freut sich, alles weitgehend unverändert vorzufinden. Sind die Kids aus dem Haus, wird es dann hinsichtlich Urlaubsplanung meist ein wenig still um Lignano – zumindest bisher. Denn die Touristiker in Lignano haben sich so einiges einfallen lassen, um den acht Kilometer lange Strand auch abseits vom Sandburgen bauen zu nützen.

Stöcke im Wasser
Water-Nordic Walking ist eine davon und so probieren wir, eine Gruppe von Journalisten, dieses neue Angebot gleich umgehend aus. Unsere Trainerin kommt mit einem Schwung an Walking Stöcken, die sie an die Teilnehmer verteilt. Nach einigen Instruktionen, was das richtige Gehen und die Nutzung der Stöcke anbelangt, geht’s los. Allerdings nicht im seichten Wasser, wie wir Laien das vermutet hätten, sondern die Trainerin treibt uns ins hüfthohe Meer. Was zwar gewöhnungsbedürftig ist, aber in Anbetracht der angenehmen Wassertemperaturen von zumindest 26°C schon am Morgen, nicht unangenehm. Also gut, hüfthoch soll das Wasser sein, damit der Widerstand das Seine in Richtung Kondition und Kraftanstrengung tut. Hat man die Technik erst heraus, die sich grundsätzlich nicht von der des normalen Walkings unterscheidet, bleibt Zeit, die Atmosphäre des morgendlichen Strandes, dessen Ruhe nur durch das Rauschen der Wellen unterbrochen wird, zu genießen. Denn los geht’s um 8h30 und das ist gut so, denn um diese Tageszeit gehört der Strand fast ausschließlich den Sportlern und so begegnen wir auf unserer eineinhalbstündigen Walking-Tour Joggern und Spaziergängern. https://lignanosabbiadoro.it/de/attivitalive/live/46-water-nordic-walking/

Ab auf die Räder!
Vom Hotel zum Meer und wieder zurück wird geradelt. Denn was die Italiener schon immer taten, nämlich ihre Wege per Rad zu bewältigen, das machen nun auch die Urlauber. Sie radeln von der Unterkunft an den Strand, weiter an diesem entlang zwischen den einzelnen Stadtteilen von Lignano hin und her und sie radeln zum abendlichen Essen. Viele der Urlauber bringen ihre eigenen Räder gleich mit und wer das nicht möchte, findet ein breites Angebot an Radverleihen, die von E-Bikes – für geführte Touren ins Hinterland – bis zum Familien-Radangebot alles anbieten. Auch immer mehr Hotels sind bereits mit Fahrrädern ausgestattet, die den Gästen meist gratis zur Verfügung stehen. Analog zum Urlaubsfeeling, sind die Räder meist mit Körben ausgestattet und so radeln Herr und Frau Urlauber mit den Badesachen im Körbchen gemächlich durch Lignano. Unterwegs wird haltgemacht für einen Cappuccino, wie zum Beispiel beim Strandcafe Al Gabbiano in Sabbiadoro, wo es nicht nur den besten Kaffee am Strand gibt, sondern wo auch der legendäre Krimiautor Giorgio Scerbanenco oft an seinen Büchern arbeitete. Stolz zeigt uns der Besitzer sein Bilderalbum, das ihn mit dem Autor zeigt. https://sbgabbiano.it/ristorante/

Altes und Neues
Unverändert geblieben sind auch die Strandreihen, die sich, wie auch schon im letzten Jahr, nur durch mehr Abstände als sonst, unterscheiden. Zwar verfügen fast alle Unterkünfte über einen eigenen Strandabschnitt mit Liegen und Schirmen als Inklusiv-Leistung, aber natürlich kann auch gemietet werden oder man sucht sich einen Platz am öffentlichen Strand.
Kaum ein Gewässer kommt mittlerweile ohne Stand-up Paddeling aus und so findet sich auch am Strand von Lignano Sabbiadoro ein Verleih, wo vom Einzelbrett bis zum Mega Sup alles angeboten wird. Gut acht Personen finden auf dem großen Board Platz und während die Wagemutigen versuchen, das Gleichgewicht zu halten, wird das Board von „Coach“ Francesco zwecks Hilfestellung umkreist. Schlank, braungebrannt und mit kinnlangen Locken entspricht er exakt der Vorstellung des klassischen Italieners.

Wellen, Wein und Wellness
Wie bei allen Badeorten kommt auch in Lignano das Hinterland oft zu kurz. Was schade ist, denn gerade Lignano bietet allein schon durch den Flusslandschaft des  Tagliamento eine beeindruckendes Areal und entlang des Flusses führt sogar eine Radtour.
In Lignano selbst stehen 30 Kilometer Radweg zur Verfügung, seit dem Sommer 2019 können Radfahrer und Fußgänger sogar abseits des Straßenverkehrs den Tagliamento überqueren: Vom Frühjahr bis spät in den Herbst hinein setzt die Bootsfähre X-River regelmäßig über den Fluss, der Friaul-Julisch Venetien vom Veneto trennt und von Lignano nach Bibione führt. Das Boot ist dann jeweils zwischen 09.00 und 19.00 Uhr in Betrieb und transportiert zum Preis von einem Euro Radler und Rad. Die intakte Naturlandschaft der Tagliamento-Flussmündung ist dabei genauso zu entdecken, wie die vielen kulinarischen Versuchungen unterwegs. Lignano ist übrigens auch Italiens erster Badeort, der ein Bike-Sharing System eingeführt hat.
Fahrradverleih und -Reparatur, E-Bike-Ladestationen und weitere Service-Dienste gibt es beim Anlegeplatz von Lignano Sabbiadoro, der an den Yachthafen von Marina Uno angrenzt. Organisierte Radtouren mit einem lokalen Guide führen zu versteckten Plätzen, Ausgangspunkt für jede der fünf angebotenen Touren ist jeweils die Terrazza a Mare.
Eine davon führt zuerst zu einem Weingut und anschließend ins nach wie vor bewirtschaftete Fischereital Ca' del Lovo auf einen Aperitif. Nächster Halt der Tour ist die berühmte “Bilancia di Bepi”, einem über den Stellafluss gespannten riesigen Fischernetz, das schon von Hemingway geschätzt wurde. Naheliegend, dass hier unbedingt frischer Fisch verkostet werden muss. Auf der Rückfahrt per Boot wird schließlich noch ein Stopp in einer der traditionellen Fischerhütten, der “casoni”, eingelegt. Die zur Gänze aus Schilfrohr und Holz erbauten Hütten sind heute ein beeindruckendes Freilichtmuseum und ein Zeugnis der engen Bindung Lignanos an die Lagune, die eine wertvolle Lebensgrundlage für die Halbinsel darstellt. Preis der Tour ab EUR 45 pro Person.
Nicht zuletzt der Radboom beschert den Winzern verstärkte Aufmerksamkeit, denn mit dem Rad kann dann doch ein wenig mehr verkostet werden, als wenn man mit dem Auto unterwegs ist. Fast ein Geheimtipp in diesem Bereich ist das Weingut Casale al Prati in Latisana, wo neben Wein und den kulinarischen Schmankerln der Region wie Käse und Prosciutto auch entzückende Zimmer und ein kleiner Spa-Bereich warten. Eine verlockende Vorstellung, um den grauen Novembertagen in den österreichischen Gefilden zu entfliehen.

Wie immer? Wie immer bestens!
Lignano ist zwar noch immer klassischer Strandurlaub, aber auch mehr als das. Das von uns so geliebte Dolce Vita wurde erhalten und wird jetzt kombiniert mit zahlreichen Sportangeboten und Touren ins Hinterland.
Was unbestritten – zum Glück – unverändert blieb, sind die kulinarischen Verführungen, denen man haltlos erliegt. Spaghetti a la Vongole, eine Vorspeisen-Platte mit Meeresfrüchten, der San Daniele Schinken als bekanntestes Lebensmittel der Region und das unvergleichliche Tiramisu, das im Friaul entstand. Und natürlich das Eis, das zwar gleich bei der Ankunft sein muss - wobei es aber sicher nicht bei dem einen bleibt.

Tipp: Grandioses Abendessen inklusive Sonnenuntergang über dem Meer auf der Terrazza a Mare, dem Wahrzeichen Lignanos.
https://lignanosabbiadoro.it/it/strutture/27-ristorante-terrazza-a-mare-...
Ein Besuch der Kirche San Zaccaria, der ältesten Kirche in Lignano aus dem 16. Jahrhundert, die mitten im Pinienwald gibt, der in ganz Lignano unglaubliche 1,2 Millionen Pinien umfasst.

Info: Wer öffentlich anreisen möchte, findet einmal am Tag einen Direktzug von Wien nach Venedig.

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