Am Anfang stand eine Vision. 1980 sah sich Weinliebhaber Karl Schefer...
Am Anfang stand eine Vision. 1980 sah sich Weinliebhaber Karl Schefer einem kahlgespritzten Rebberg gegenüber. Der trostlose Anblick machte den Ostschweizer nachdenklich. In einem Pariser Reformhaus entdeckte er kurz darauf biologisch angebaute Weine und seine Idee nahm Gestalt an. Es sollte doch auch in der Schweiz möglich sein, Weine zu kaufen, die ökologisch nachhaltig produziert und gleichzeitig geschmackvoll sind. So gründete Karl Schefer Delinat. Seine Vision: ökologisch nachhaltigen Weinbau mit großer Biodiversität europaweit zum Durchbruch zu verhelfen. Seit über 40 Jahren steht das Familienunternehmen heute als Pionier für Weinbau, der ökologisch, sozial und geschmacklich neue Maßstäbe setzt. Was 1980 in der Schweiz begann, hat sich zum konsequentesten Nachhaltigkeitsmodell im europäischen Weinbau entwickelt.
Die Delinat-Methode
Herzstück ist die Delinat-Methode, deren Richtlinien 2025 erneut überarbeitet und weiter verschärft wurden. Der Weinberg als funktionierendes Ökosystem Im Zentrum der Delinat-Philosophie steht der Weinberg als vielfältiger Lebensraum. Wein soll nicht auf Kosten der Natur entstehen, sondern in Symbiose mit ihr. Ziel ist es, Weinberge so reich an Artenvielfalt zu gestalten, dass sie selbst als ökologische Ausgleichsflächen funktionieren. Hecken, Bäume, Blühstreifen, Wasserstellen und Wildniszonen gehören ebenso dazu wie der Verzicht auf chemisch-synthetische Mittel. Die Förderung der Biodiversität ist nicht nur ökologisches Ziel, sondern auch Voraussetzung für den Erhalt gesunder Reben und damit ausdrucksstarker Weine. Kreislaufwirtschaft & Permakultur statt Input-Landwirtschaft Die Richtlinien fordern eine vollständige Abkehr von der inputorientierten Landwirtschaft. Stattdessen sollen geschlossene, kleinräumige und vielfältige Kreisläufe entstehen – mit Humusaufbau, eigener Kompostierung und dauerhafter Begrünung. Konzepte aus Permakultur, Agroforstwirtschaft und Agrarökologie sind fester Bestandteil der Weinberggestaltung. Im Fokus: der Aufbau gesunder Böden als Voraussetzung für langlebige Reben und eine stabile CO₂-Bindung. Nach dem Verständnis von Delinat ist nachhaltiger Weinbau nur mit den richtigen Rebsorten möglich. PIWIs als Zukunftssorten Zentraler Baustein der Philosophie ist auch die gezielte Förderung pilzwiderstandsfähiger Rebsorten (PIWIs). Diese Sorten benötigen deutlich weniger – im Idealfall keinen - Pflanzenschutz, vermeiden Bodenverdichtung durch häufiges Befahren und reduzieren so Energieeinsatz und Emissionen.
Strenge Richtlinien
Die Delinat-Richtlinien 2025 gelten als die strengsten in Europa. Sie umfassen über 200 verbindliche Kriterien aus den Bereichen: - Biodiversität & Landschaftspflege - Bodenfruchtbarkeit & Düngung - Wasserwirtschaft & Retention - Energieeinsatz & Klimaschutz - Verarbeitung & Zusatzstoffe - Soziale Standards & Fairness Winzer werden jährlich kontrolliert und nach einem dreistufigen Schnecken System (1 bis 3 Schnecken) zertifiziert. Nur wer dauerhaft Verbesserungen nachweisen kann, erreicht die höchste Stufe. Die Richtlinien werden unter wissenschaftlicher Begleitung und in enger Zusammenarbeit mit Winzern und Konsumenten ständig weiterentwickelt und von einer unabhängigen Organisation kontrolliert.
Natürliche Kreisläufe statt Zukauf
Im biologischen Weinbau nach der Delinat-Methode steht der langfristige Aufbau stabiler, lebendiger Ökosysteme im Fokus. Ziel ist es, die natürliche Fruchtbarkeit der Böden zu stärken und Nährstoffe nach Möglichkeit im Kreislauf zu halten – ganz ohne den kurzfristigen Ausgleich über zugekaufte Düngemittel. Begrünung, Kompost, Mischkulturen und ein artenreiches Ökosystem sorgen in den Weinbergen der Delinat-Winzer dafür, dass der Boden selbst und deren vielfältiges Mikrobiom zu den wichtigsten Nährstofflieferanten werden. Statt kahler Rebzeilen prägen Kräuter, Leguminosen und vielfältige Begrünungspflanzen das Bild. Sie schützen die Böden, reichern sie mit Nährstoffen an, fördern die Artenvielfalt und helfen so, die Böden so langfristig fruchtbar zu machen.
Nachhaltigkeit auf allen Ebenen
Auch bei der Verpackung setzt Delinat konsequent neue Maßstäbe: In Zusammenarbeit mit Paket Planzer entwickelten sie ein Kreislaufsystem für Versandkartons und Weinflaschen, bei dem stabile Mehrwegverpackungen mehrfach verwendet und durch Paketdienste (Elektrofahrzeuge oder Cargobike Zusteller) direkt bei den Kunden zurückgenommen werden. Seit 2024 werden die Weine zudem nach und nach in Delinat-Weinflaschen gefüllt, die nach dem «Eco2Bottle-Konzept» des Produzenten Wiegand Glas hergestellt sind und zu mindestens 92% Altglas aus grünen Flaschen bestehen. Das leichte Gewicht reduziert das CO2 beim Transport.
Wein aus reicher Natur
Das Ergebnis dieser Philosophie sind Weine mit Herkunft, Tiefe und natürlicher Ausstrahlung. Sie spiegeln nicht nur Boden, Klima und Rebsorte wider, sondern auch die Überzeugung, dass Landwirtschaft zum Lösungsweg für die Klimakrise werden kann – wenn sie naturorientiert, regenerativ und sozial geführt wird.
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