Auf Lihotzkys Spuren in Donaustadt

Die Wiener Architektin Margarte Schütte-Lihotzky ist wahrscheinlich vielen Lesern als Erfinderin der sogenannten „Frankfurter Küche“ oder wegen der von ihr geplanten Häuser in der Werkbundsiedlung in Hietzing bekannt. Kaum jemand bringt sie mit dem 22. Wiener Gemeindebezirk in Verbindung – und doch ist der ein beredtes Zeugnis ihrer Arbeit, sowohl für den Beginn wie auch für das Ende ihrer Tätigkeit.
Mein Spaziergang startete am Otto-Haas-Hof in der Winarsky-Straße, einem jener Gemeindebauten, die das rote Wien in den 20er Jahren hatte errichten lassen - mit ursprünglich 333 Wohnungen. Zum Planungsteam gehörten die renommierten Architekten Dirnhuber und Schuster (urspr. auch Loos, der sich nach Differenzen mit der Stadt dann jedoch zurückzog) und die damals erst 27 Jahre alte Margarete Schütte-Lihotzky. Die erste weibliche Absolventin der damaligen Kunst- und Gewerbeschule (später Hochschule für angewandte Kunst).  Sie war im Siedlungsamt an sich für die Rationalisierung der Hauswirtschaft zuständig, aber brachte auch ihre Expertise für äußerst ökonomische Grundrisse ein und setzte auf kleinstem Raum (39m2) einen bemerkenswerten Standard durch (separates WC, funktionale Wohnküche, Balkon oder Terrasse, elektrisches Licht), dazu sinnvolle Gemeinschaftsräume wie Waschküche, Duschen/Bäder, Kindergärten und einen großen, begrünten Innenhof. Gegenüber den damals üblichen Kleinwohnungen in den sogenannten Gründerzeit-Bauten ohne eigenes WC und Fließwasser nur am Gang (Bassena), oft keine Elektroleitungen, ein ungeheurer Fortschritt. Die Wohnungen wurden im Laufe der Jahre entsprechend saniert, Balkone etwa in eigene Bäder umfunktioniert, Aufzüge angebaut, so dass sie auch rd. 100 Jahre nach der Errichtung noch immer entsprechenden Wohnkomfort bieten.
Das weitere Leben von Lihotzky war durchaus bemerkenswert, lange Perioden in Deutschland, Russland, der Türkei, gegen Ende des Krieges wieder in Österreich – und wegen Widerstands gegen die Nazis zu 15 Jahren Zuchthaus in Bayern verurteilt, kehrte sie nach dem Krieg wieder nach Wien zurück, wo sie bis zum Ende ihrer aktiven Zeit weiterarbeitete.
Am Hochstädtplatz findet sich z.B. das Ende der 50er Jahren entstandene, inzwischen denkmalgeschützte Globus-Verlagsgebäude der szt. kommunistischen Partei (samt inzwischen demontierter Druckerei der „Volksstimme“). Der Versorgungstrakt mit einem bemerkenswerten Mehrzwecksaal wurde von Lihotzky geplant und wird derzeit aufwändig als Wohnanlage revitalisiert.
Einer der letzten von ihr geplanten städtischen Kindergärten findet sich am Kapaunplatz, das Konzept aus den 50er Jahren (schon 1930 in Russland entwickelt), die bauliche Umsetzung und Einrichtung sind auch heute noch Vorbild und wirken durchaus modern.
Wollen Sie mehr über diese bemerkenswerte Wienerin wissen? Dann lohnt sich ein Besuch Im Margarete Schütte-Lihotzky Zentrum im 5. Wiener Gemeindebezirk!

Essay by Walter Ritter 

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