Leise (Strauss)Klassik-Musik, sobald sich die Tür öffnet, entspannte...
Wer kennt nicht die Hotspots des Burgenlandes in Sachen Musik (Liszt Zentrum Raiding, Klangfestival Schlaining, Seebühne Mörbisch, St. Margarethen etc.), Theater und Kabarett (Kulturzentren Eisenstadt, Mattersburg, Oberschützen, Güssing, Kobersdorf) samt ihren Freiluftprogrammen im Sommer? Was die bildende Kunst betrifft, ist es mir hingegen schwergefallen, ad hoc etwas aus meinem Gedächtnis zu holen – ja vielleicht Schloss Esterhazy, wo alle zwei Jahre ein Award für zeitgenössische Künstler – allerdings aus Ungarn – vergeben wird. Auf dem Gebiet muss es doch etwas geben – auch im Winter! Nach Recherchen machte ich mich also jüngst auf den Weg nach Eisenstadt in die Landesgalerie Burgenland, wo im Jänner jetzt drei Ausstellungen parallel laufen. Und bin mit sehr ambivalenten Eindrücken zurückgekommen, die ich nun mit dem Leser teilen möchte.
Da sind einmal die Aquarelle eines in Eisenstadt lebenden Fotografen, Aquarellisten und Grafikers „When Philosophy Becomes Water“ (noch bis 11.5.2025), bei denen ein unverändertes Bildmotiv (mutmaßlich aus Fotos entstanden) über die Aquarelltechnik mit ihrem wässrigen Eigenleben in unterschiedlichen Ausprägungen dargestellt wird. Saubere, interessante Arbeiten, die durchaus sehenswert sind.
Im sogenannten Kabinett werden Arbeiten einer Absolventin der Angewandten ausgestellt, die dabei Collagen aus Zeichnungen und Stickereien unter dem Titel „im Fokus: Katrin S. Weidhofer“ präsentiert. Thema etwa Identität, Emanzipationsprozesse. Für meinen Geschmack werden dabei stark bekannte Klischees bedient (viel nackte Haut, vielleicht auch Sexismus?).
Nicht zurechtgekommen bin ich mit der Hauptausstellung „floating through reality“ eines jungen Geschwisterpaares, das versucht, über das Schlagwort des Hydrofeminismus die virtuelle Welt des Internets mit der Realität zu verbinden. Die selbstgefertigten Objekte zeugen durchaus von Kreativität und hohem handwerklichen Können. Sie haben einen Raum geschaffen, der es ermöglichen soll, „gegenwärtige Utopien zu träumen und neue Realitäten zu generieren“ (Zitat aus der Kurzbeschreibung). Mich erinnern die Installationen visuell (und abseits der Begründung/Motivation) eher an die rosafarbene Plastikwelt von Barbie. Aber Geschmäcker dürfen ja bekanntlich unterschiedlich sein.
Vielversprechend die Ankündigung der nächsten Ausstellung einer tschechischen Künstlerin aus einer der Meisterklassen Frohners mit dem Schwerpunkt expressionistischer Darstellungen von einprägsamen Frauengesichtern (ab 21.2.2025).
Am Heimweg noch ein Abstecher nach Mattersburg in das dortige Kulturzentrum, um die Jahresausstellung des Fotoclubs „mitzunehmen“ – beeindruckende, qualitativ hochwertige Fotos, leider - mit einer Ausnahme - ohne ersichtliche Hintergrundinformationen.
Vielleicht bleibe ich – was die Kultur im Burgenland betrifft – doch eher bei der Musik! Essay by Walter Ritter
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